Auf nach Bullerbü!
Wer wolltet ihr sein, als ihr klein wart? Pippi Langstrumpf? Ronja Räubertochter? Glatzenper, der ungeniert herumpupste? Der schlimme Michel aus Lönneberga?
Mein Idol war Britta aus Bullerbü. Nicht spektakulär, ich weiß. Pagenkopf, Kleidchen an und meist mitten im Wald mit all den anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Ein Glück, dass ich wirklich so aufgewachsen bin. Heute wohl undenkbar. Eine Welt ohne Handy, ohne ein Erwachsenenauge auf uns. Wir bauten “Hütten” zwischen den Bäumen, die eher aus einer Sammlung morscher Äste bestanden oder wirklich süße Mooshäuschen für Zwerge, Feen und Trolle. Maßen uns in Mutproben, wer länger im kalten Wasser des kleinen Bachs stehen konnte, wo so viele Blutegel drin krochen. Natürlich gewann meist meine ältere Schwester, die mehr Pippi-Gene in sich trug, als ich damals. Wir kehrten erst nach Hause zurück, wenn sich der Tag gen Abend neigte, es dunkel wurde und das Abendessen wartete.
Eine freie, wilde, spannende Kindheit zwischen Wäldchen, Bächen, weiten Feldern und Wiesen. Auf den Bauernhöfen der Nachbarn oder doch mit Puppen im Kinderzimmer. Mit dem Urvertrauen der Eltern, meiner eigenen und die der anderen, dass wir nichts wirklich Gefährliches anstellten oder zu weit wegliefen. Und verwunderlicherweise passierte auch nie etwas.
Die Milch kam direkt aus dem Euter der Kuh des Nachbarshofs, die Altbäurin fischte Fliegen und Mücken mit den Fingern aus dem Kübel mit der frischen Milch und leerte sie einmal durch ein grobes Sieb. Pasteurisierung in den 1980ern und 90ern. Die Milch war noch warm und oben setzte sich der Rahm ab, den meist unser Kater bekam und gierig wegschleckte.
Sonntagnachmittage verbrachten wir im Sommer hie und da in kleinen Wäldchen mit meiner Mutter beim Schwarzbeerpflücken. Als Kinder nicht gerade unterhaltsam. Jetzt fahre ich freiwillig zu einem sehr lieben Freund, um ihm zu helfen, seine Heidelbeeren zu ernten, kiloweise davon.
Die schwedischen Wälder sind jedoch anders, als die österreichischen. Sie erinnern mich an Schottland. Viele Laubbäume, sehr licht, durchsetzt von Felsen, viel viel viel Moos und Farne am Boden. Freundliche Birken mit schwarz weißer Rinde. Dadurch wirken diese Wälder hell und freundlich und sehr verwunschen. Die Menschen sind immer noch mit der Natur verbunden und lassen die Feen und Trolle ihre Bereiche. Hier muss der Wald nicht “aufgeräumt” sein, wie bei uns. Die Natur regiert und würde ein Zwerg aus dem Loch im Baumstamm stolzieren, würde es niemanden überraschen.
Diese kleinen Küchlein aus dünnem knusprig blätterigem Mürbteig und purer intensiver Heidelbeerfüllung sind die Essenz eines sonnigen Spätnachmittags unserer Kindheit, sei es in Bullerbü oder einem anderen Ort. Der Feenwald mit Farn und Moos, Unbekümmertheit und Einfachheit.
Machen wir die Augen zu, mit dem Geschmack der dunklen süßen Heidelbeeren im Mund, den blauen Lippen davon, und stellen wir uns vor, wir sitzen auf einem Steg an einem dieser kleinen kühlen schwedischen Seen mit felsigen Ufern. Hinter uns der Feenwald. Die Beine baumeln im Wasser, die Füße spüren das erfrischende Wasser. Wir spreizen die Zehen und spüren eine leichte Brise, die aus dem grünen Wald herüberweht. Die Blätter der Birken rascheln leise im Wind.
Ich muss lächeln. Du auch?

