Der Dudel aus dem Sack?

Der Dudelsack scheidet ja komplett die Geister. Die einen hassen die Geräusche, die von Menschen mit roten aufgeblasenen Backen mit größter Anstrengung aus dem Instrument gepresst werden. Die anderen, und dazu gehöre ich, lieben die eigenen Klänge, die so alt und ursprünglich klingen, dass man die Highland-Clans in den Schottenröcken direkt vor sich sieht, wie sie zwischen den grünen Hügeln und tiefen dunklen Lochs, den schottischen Seen, die überall verstreut sind, aufeinander zurennen. Oder auf englische Soldaten. Wie rote Locken in gemütlichen Pubs oder Gemeindesälen auf und ab wippen, während sie zusammen die traditionellen Tänze in schwindelerregender Schnelligkeit genießen. Vom kleinen Windelpupser bis zu den Senioren mit Gehstock, dazwischen Teenager und alle anderen.

Erklingt der Dudelsack transportiert es mich sofort wieder auf eine Klippe im Norden Schottlands, wo kleine Papageientaucher hektisch flatternd versuchen, in der Luft zu bleiben. Oder neugierig gucken mit ihren putzigen geschminkt wirkenden Augen. Wie die pummeligen Hummeln sind auch sie ein kleines rundes Wunder der Natur.

Mit dem Dudelsackklang rieche ich schäumende Wellen, die gegen riesige Felsen schlagen und unbändige Freiheit. Langgestreckte Täler zwischen grünen Hügeln, überhaupt Grün in allen Varianten. Wer hätte gedacht, dass es so viele Arten von Grün gibt? Davon hebt sich der tiefblaue Himmel noch besser ab.

Im Deutschen sehr unattraktiv “Sackpfeife” genannt, kommt der Dudelsack (klingt irgendwie lustiger, fröhlicher) eigentlich aus dem Orient und östlichen Mittelmeerraum. Eine Flöte wurde in einen Lederbeutel gesteckt und schon klang die Flöte ganz anders. Intensiv, laut, mal wütend, mal traurig. Die Römer brachten das Instrument dann vermutlich nach Europa, wo es sich im Mittelalter rasant verbreitete. Oder die Wikinger hatten zumindest im Norden wiedermal die großen Hände im Spiel, wie so oft, genau weiß man das gar nicht.

Langsam veränderte sich der Nutzen des Dudelsacks. Sie wurden zu einem schottischen Nationalsymbol. War für andere Armeen das Horn oder die Trommel das Zeichen der Drohung und des Mutmachens, wurde der Klang des Dudelsacks zum Kampfschrei, zur Mobilisierung aller Kräfte, ihres Stolzes und ihrer Identität.

Stell dir vor, du bist ein englischer Soldat im schottischen Hochland, schon müde von Wind und Wetter und plötzlich schneidet der intensive Gesang des Dudelsacks durch die kühle Luft. Und dann siehst du sie: groß, stämmig gebaut, bunte Karos auf kunstvoll drapierten Stoffen um die Hüften und über die Schulter, all die Wut der Verzweiflung vor der Vernichtung ihrer Familien und Kultur spiegelt sich in den bemalten Gesichtern wider. Zu allem entschlossen. Und zu kämpfen bis zum Umfallen. Mir würde das Herz in die Hose rutschen. Ich hätte mich ihnen eher angeschlossen oder wäre auf dem schnellsten Wege davongelaufen.

Und mit der verlorenen Schlacht von Culloden gegen die englischen Jakobiten wurde den übrigen Schotten dann zwischen 1746 und 1782 ja auch verboten, ihren Kilt zu tragen und den Dudelsack zu spielen, um ihre Identität auszulöschen. Dass das nicht klappte, sehen wir heute zum Glück sehr gut. Im Gegenteil, das schottische Regiment ist nun ein zentraler Bestandteil des britischen Militärs, der Dudelsackspieler “Piper” fix inbegriffen und das Edinburgh Military Tattoo ein Großereignis in Großbritannien. Hat übrigens nichts mit dem Tattoo auf der Haut zu tun, sondern eine Kulturdemonstration des schottischen Teils des Militärs im Castle zu Edinburgh.

Wenn du das nächste Mal einen Dudelsack hören solltest, denk an die mutigen Schotten, die sich den großen englischen Heeren entgegenstellten, mit wenig mehr als Wille, Stolz und ihrer Kultur.

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Auf nach Bullerbü!

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